23.10.04

Der Sprachberater der Demokraten (audio)

Für ausländische Beobachter wirkt der amerikanische Wahlkampf der letzten Wochen wie eine endlose Aneinanderreihung von Phrasen und Kampfbegriffen, wie zum Beispiel: "Family Values", "Safety", "War on Terror" oder "Patriotism". Beide Parteien haben Sprachberater, die diese Formulierungen sorgfältig aussuchen und darauf achten, dass die Spitzenkandidaten diese Reizbegriffe so oft wie möglich verwenden. Einer der profiliertesten Sprach-Strategen der Demokraten ist George Lakoff, Professor für kognitive Linguistik an der Universität Berkeley. Lakoff ist auch Autor des Bestsellers "Moral Politics: How Democrats and Republicans think". Im folgenden Blog-Audio-Interview (siehe unten) erklärt Lakoff, was die Lieblingsphrasen von Republikanern und Demokraten wirklich bedeuten sollen und schildert auch die sprachliche Überlegenheit der republikanischen Wahlkampfmaschine. Prof. Lakoff warnt davor, George Bush intellektuell zu unterschätzen: "George Bush wäre problemlos in der Lage, fehlerfreies Englisch in perfektem Akzent zu sprechen. Bush hatte in Yale sogar denselben Debatten-Trainer wie Kerry. Als Mann des Volkes kommt er beim Publikum aber viel besser an", sagt Lakoff.

Seinem politischen Freund Kerry empfiehlt Lakoff für die letzten Tage vor der Wahl, sich auf die hohe Staatsverschuldung einzuschiessen und dafür den Kampfbegriff "Baby-Tax" zu verwenden. "Jedes Baby in den USA kommt derzeit mit einer Steuerschuld von 100 000 Dollar zur Welt", sagt der Sprachstratege Lakoff.

Das englischsprachige Interview ist ca. 45 Minuten lang und gibt einen interessanten Einblick in die strategischen Erwägungen der Demokraten und Republikaner. Aufschlussreich ist auch Lakoffs Schilderung der republikanischen Think-Tanks in Washington.

Real Audio Stream
Windows Media Stream
mp3-Download, 9 MB (rechter Mausklick)

Links:
Lakoffs Rockridge Institute

Die Sprachstrategen der Republikaner: Luntz Research.
Von Luntz stammt beispielsweise die Vorgabe, statt des furchterregenden Begriffs "Global Warming" nur noch vom "Climate Change" zu sprechen. (Ich bemühe mich gerade um Interviewtermin mit Luntz.)

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