...und noch 'was (leisere Töne aus D.C.)
An einem der hektischen Abende vor der Wahl war ich noch kurz am Potomac, etwa 15 Minuten vom Pentagon entfernt, spazieren. Es war ein ungewöhnlich warmer Abend, Eltern saßen mit ihren Kindern am Spielplatz, Liebespärchen schlenderten die Uferpromenade entlang, unterbrochen von den obligatorischen Joggern mit Kopfhörern und ihren "You-can-do-It!"-Motivationskassetten im Walkman.
Ein älterer Herr kam mit einem Leiterwagen an, stellte gemächlich einen Tisch auf und plazierte darauf 60 Trinkgläser in verschiedener Größe, jedes mit Wasser gefüllt. Dann fing er an, mit nassen Fingern über die Gläserränder zu streichen, um seine "Glasharfe" zu stimmen. Mehr und mehr Spaziergänger blieben stehen, angezogen von diesen leisen aber weit tragenden Tönen. Endlich beginnt er sein Abendkonzert: Mozart, Händel und Johann Sebastian Bach. Als ich ihn frage, ob ich mein Aufnahmegerät einschalten dürfe und er hört, daß ich aus Deutschland komme, freut er sich von Herzen. Einer der für ihn wichtigsten Glasharfinisten kam aus Stuttgart, erzählt er später.
Mein improvisierter Mitschnitt dieses unerwarteten Abendkonzerts in Washington ist mein vorerst letztes Audiostück für Sie in diesem Wahlblog aus den USA. Hoffentlich gelangen auch in diesen nächsten vier Jahren weiterhin viele leise Töne und viele private Stimmen aus Amerika nach Deutschland und umgekehrt.
Audio: Abendliches Straßenkonzert am Potomac, der Musiker ist Jamey Turner. 9'30 min
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Ich bin überrascht, wie viele PR-Mitarbeiter amerikanischer Unternehmen mir heute private emails geschickt haben, um ihr Bedauern über das Wahlergebnis auszudrücken. Den großen amerikanischen Markenartikelherstellern liegt Amerikas Image in Europa offensichtlich (und aus verständlichen Gründen) am Herzen. Ich habe zu diesem Thema nun gerade ein Interview mit Simon Anholt geführt. 
Die amerikanischen Journalisten reiben sich immer noch die müden Augen. In der Nachberichterstattung zur Wahl erregt - neben den Spekulationen um das neue Kabinett - nun vor allem ein Thema die Gemüter: Wie stark sind die evangelikalen Christen und welchen Kurs schlägt das Land unter einem gestärkten Präsidenten ein, der sich selbst als Born-Again-Christian bezeichnet?
Präsident Bush gibt in wenigen Minuten eine Pressekonferenz. 